FDM vs SLA: Der komplette Kostenvergleich für den 3D-Druck
In der FDM-vs-SLA-Debatte geht es meist um die Oberflächenqualität — Resin-Drucke wirken schärfer, FDM "sieht eben aus wie 3D-Druck". Stimmt schon, aber wer ein Geschäft betreibt statt ein Regal mit Hobbymodellen zu füllen, sollte sich eine andere Frage stellen: Was kostet ein Teil tatsächlich, von Anfang bis Ende?
Die kurze Antwort: Harz ist teurer, manchmal deutlich. Spannender ist, wo sich diese Mehrkosten verstecken — denn es ist nicht nur der Flaschenpreis. Ich habe Angebote gesehen, die nur auf den Materialkosten basierten — und dann hat die SLA-Charge die komplette Marge aufgefressen. Rechnen wir es also wirklich durch, für einen einzelnen Prototyp und für eine Charge von 50 Stück, und schauen wir, wo die echten Kosten sitzen.
1. Reine Materialkosten
Fangen wir mit der Zahl an, die jeder als Erstes findet:
- FDM-Filament: Standard-PLA, -PETG oder -ABS liegt bei 16–25 € pro Kilogramm. Spezialfilamente — flexibles TPU, Kohlefaser-Verbundstoffe, Nylon, ASA — springen auf 35–80 €/kg.
- SLA-Harz: Standard-Fotopolymerharz kostet 25–55 € pro Liter (entspricht rund 1,1 kg). Technische oder spezielle Harze — zäh, flexibel, hitzebeständig, ausbrennbares Wachs für Schmuck, biokompatibles Dentalharz — kosten 60 € bis über 300 € pro Liter.
Gramm für Gramm kostet Standardharz das 1,5- bis 2,5-fache von Standardfilament. Bei Spezialmaterialien wird die Lücke nicht kleiner, sondern größer.
2. Die Verbrauchsmaterialien, die im Datenblatt fehlen
Das ist der Teil, der Umsteiger von FDM auf SLA tatsächlich überrascht. Der Kunststoff selbst ist nur der Anfang.
FDM hat fast keine laufenden Kosten. Abgesehen von einer gelegentlichen Düse (1–5 €) oder etwas Klebestift fürs Druckbett gibt es nichts Wiederkehrendes. Filament wird geschmolzen, aufgetragen — das ist die ganze Chemie.
SLA bringt einen kompletten chemischen Workflow mit, und jeder Schritt hat seine eigenen laufenden Kosten:
- Isopropanol (IPA) zum Abwaschen des unausgehärteten Harzes — 15–25 € für 5 Liter, und es muss ersetzt werden, sobald es gesättigt ist.
- FEP/NFEP-Folie am Boden des Tanks degradiert durch UV-Licht und die Abziehkräfte bei jedem Druck. 5–15 € pro Folie, Wechsel alle 10–50 Drucke je nach Nutzung.
- Schutzausrüstung — Nitrilhandschuhe, Schutzbrille, Maske — denn flüssiges Harz ist für Haut und Augen wirklich unangenehm, bei jedem einzelnen Druckzyklus.
- Der Tank selbst verkratzt und trübt mit der Zeit ein und muss irgendwann ebenfalls ersetzt werden.
Wer es sauber modellieren will, rechnet die SLA-Materialkosten pro Druck so:
$$C_{\text{SLA-Material}} = \left( \frac{V_{\text{Teil}} + V_{\text{Stützen}}}{1000} \times P_{\text{Harz}} \right) + C_{\text{IPA}} + C_{\text{FEP-Verschleiß}} + C_{\text{PSA}}$$
Der FEP-Verschleiß ist schlicht der Folienpreis geteilt durch die durchschnittliche Anzahl an Drucken, die sie übersteht. In der Praxis addieren $C_{\text{IPA}} + C_{\text{FEP-Verschleiß}} + C_{\text{PSA}}$ 0,50 bis 2,00 € pro Druck — egal, wie klein das Teil ist. Nichts davon taucht im Literpreis des Harzes auf, aber es ist echtes Geld, das bei jedem Druck die Kasse verlässt.
3. Abschreibung und Energie
Der Hardware-Unterschied ist genauso real wie der bei den Verbrauchsmaterialien.
Abschreibung der Maschine
Ein professioneller FDM-Drucker (Klasse Bambu Lab X1C) kostet rund 1.200 €. Ein professioneller SLA-Drucker (Klasse Formlabs Form 4) beginnt jenseits von 4.500 € — und SLA braucht zusätzlich eine Waschstation und eine UV-Härtekammer, weitere 200–700 € Kapital. Verteilt auf 3 Jahre Lebensdauer bei 3.000 Betriebsstunden pro Jahr:
- FDM: 1.200 € / 9.000 h ≈ 0,13 € pro Stunde
- SLA: 5.000 € / 9.000 h ≈ 0,56 € pro Stunde
Das SLA-Setup schreibt sich pro Betriebsstunde etwa viermal so schnell ab.
Energie
Hier gewinnt tatsächlich SLA. Ein FDM-Drucker heizt gleichzeitig eine Düse (200–300 °C) und ein Druckbett (60–110 °C) und zieht im Schnitt 250–350 W. Ein Desktop-SLA/MSLA-Drucker versorgt nur eine LED-Lichteinheit und einen kleinen Motor — typischerweise 40–80 W. Bei einem 4-Stunden-Druck und 0,30 €/kWh sind das etwa 0,36 € für FDM gegenüber 0,07 € für SLA. Real, aber klein im Vergleich zu allem anderen.
4. Nachbearbeitung: der stille Margenkiller
Hier öffnet sich die Schere richtig. Bei FDM löst man das Teil von der Platte, bricht die Stützen ab, und in vielen Fällen war es das — 1 bis 5 Minuten echte Handarbeit.
SLA-Nachbearbeitung ist eine Pipeline, kein Arbeitsschritt:
- Modell von der Bauplattform lösen (unangenehm — es ist noch nass vom Harz, Handschuhe Pflicht).
- 10–15 Minuten im IPA-Bad waschen.
- Stützen vorsichtig entfernen, solange das Material noch leicht weich ist.
- Vollständig trocknen lassen, dann 10–30 Minuten unter UV nachhärten.
- Harz filtern, gesättigtes IPA entsorgen, Arbeitsplatz abwischen.
Realistisch sind das 15–30 Minuten aktive Arbeit pro Charge. Bei einem Stundensatz von 20 € kostet allein die Arbeitszeit etwa 1,00 € bei FDM gegenüber 6,67 € bei SLA. Wer seine eigene Zeit überhaupt einpreist — und das sollte man —, für den überwiegt dieser Unterschied regelmäßig die Materialkostendifferenz.
5. Fallstudie: eine Halterung vs. eine Charge von fünfzig
Kalkulieren wir eine funktionale Halterung mit 50 g Gewicht in beiden Technologien.
Szenario A: einzelner Prototyp
| Kostenkomponente | FDM (PLA) | SLA (Standardharz) |
|---|---|---|
| Material | 1,00 € | 1,75 € |
| SLA-Verbrauchsmaterial (IPA, FEP, PSA) | 0,00 € | 1,20 € |
| Strom (300 W vs 60 W, 4 h) | 0,36 € | 0,07 € |
| Abschreibung (4 h) | 0,53 € | 2,22 € |
| Arbeitszeit (Nachbearbeitung) | 1,00 € | 6,67 € |
| Gesamt | 2,89 € | 11,91 € |
Beim Einzelstück ist FDM rund viermal günstiger — hauptsächlich wegen Arbeitszeit und Abschreibung, nicht wegen des Kunststoffs.
Szenario B: Charge von 50 Stück
Serienfertigung verändert die Rechnung — und sie begünstigt SLA stärker, als man erwarten würde. Ein SLA-Drucker härtet jede Schicht über die gesamte LCD-Fläche gleichzeitig aus; eine mit zehn Halterungen gefüllte Plattform druckt also fast genauso lange wie eine einzelne — Abschreibung und Wasch-/Härtearbeit verteilen sich auf die ganze Charge. Bei FDM wächst die Druckzeit nahezu linear mit der Teilezahl.
Bei 50 Stück bleibt FDM stabil bei rund 2,70 € pro Stück, während SLA auf etwa 5,60 € pro Stück fällt. Der Abstand schrumpft von 4× auf etwa 2× — immer noch ein Aufpreis, aber einer, den detaillierte Miniaturen oder Dentalmodelle problemlos tragen.
Was ist für deinen Anwendungsfall nun wirklich günstiger?
Wähle FDM, wenn:
- du funktionale, belastbare Teile druckst (PETG, ABS, Nylon),
- minimale Stückkosten und wenig Handarbeit das Ziel sind,
- die Teile groß sind — FDM-Bauräume sind größer und viel günstiger zu skalieren.
Wähle SLA, wenn:
- du feine Details, glatte Oberflächen oder filigrane Strukturen brauchst (Schmuck-Urmodelle, Dentalmodelle, Miniaturen),
- Teile isotrop sein müssen, ohne schwache Schichtlinien,
- dein Kunde einen Aufpreis zahlt, der Chemie- und Arbeitsaufwand bequem deckt.
Das ist im Kern keine Technologie-Entscheidung — es ist eine finanzielle Entscheidung im Technologie-Kostüm. FDM ist billig und schnell aufgeräumt; SLA kauft Präzision zum Preis von Chemie, Arbeitszeit und einem Drucker, der sich viermal so schnell abschreibt.
Wenn du wissen willst, was sich für einen konkreten Auftrag wirklich rechnet, vergleicht der 3D Costify-Rechner beide Technologien direkt nebeneinander — inklusive FEP-Verschleiß, IPA-Verbrauch, Abschreibung und Stundensatz — damit die Entscheidung auf Zahlen basiert, nicht auf Bauchgefühl. Rechne deinen Fall hier durch.